Die verhältnisse ins wanken bringen summercamp 23. – 27. August 2017 in Oberau (Sachsen)

Die verhältnisse ins wanken bringen
2015: Summer Camp in der Kommune Waltershausen

Sonne, gute Musik, queere Samba-Workshops und ganz viel politische Vernetzung mit anderen sozialen Bewegungen. Genau so wird das kommende summer camp des fzs. Für Fünf Tage werden wir gemeinsam aus dem politischen Alltagstrott heraus hüpfen und uns auf dem Gelände einer ehmaligen Puppenfabrik in Walterhausen einnisten. Dort lebt inzwischen eine nette Kommune, die uns ihre Zeltplätze, Lagerfeuerstellen und einen Teil ihres Gebäudekomplexes zur Verfügung stellt. Der perfekte Ort, um Abstand zu gewinnen. Eine grandiose Gelegenheit um sich musisch, künstlerisch und wissenschaftlich an dieser Welt abzuarbeiten und dabei schon die nächsten politischen Aktionen vorzubereiten. Hauptsächlich im Freien. Wir werden uns mit der Verschärfung sozialer Herrschaftsverhälnisse. Dabei sind vor allem die zunehmende Ökonomisierung von Bildung, mit Gentirfication, Migrationspolitik und Reproduktionsarbeit im Fokus. Auf all diesen Feldern macht sich eine Politik bemerkbar, die danach strebt noch den letzten Winkel menschlichen Lebens verwertbar und wettberwerblich zu gestalten. Nicht zuletzt weisen diese vier Themen eine vielzahl interner Beziehung auf. So grenzt beispielsweise eine Hochschule, die Sorgearbeit nicht in die Studienorganisation einkalkuliert, systematisch aus. Wenn neben dem Studium oder der politischen Arbeit keine Zeit zur Selbstsorge bleibt, steht ein Mensch am Abgrund. Genau solche Ausschlüsse werden im Rahmen von Migrations- und Asylpolitiken gar offensichtlicher: Uni-assist, Studienverbote und irrsinnige Auflagen machen ein Studium für Migrant*innen oft unmöglich.

Auf dem summer camp werden wir die Ruhe finden uns diesen Themen zu widmen. Wir werden Strategien und Aktionspläne entwickeln um gegen bestehendes Unrecht anzukämpfen. Wir freuen uns auf alle die vorbeikommen.

Anmeldung

Programm

[27.08.] Donnerstag
ab 15 Uhr Anreise
16 Uhr Armut, Ausgrenzung und Bildungspolitik – Was tun wir eigentlich?
18 Uhr Abendessen
19 Uhr Konzert

[28.08.] Freitag
9-10 Uhr Frühstück
10-14 Uhr Reproduktion und Geschlecht im Kapitalismus
14 Uhr Mittagessen
16-19 Uhr Care-Arbeit im Wandel und Professionalisierung in der Pflege
16-19 Uhr Selbstsorge
19 Uhr Abendessen

[29.08.] Samstag
9-10 Uhr Frühstück
10-13 Uhr Aufwertung von Stadt durch Verdrängung von Sexarbeiter*innen
10-13 Zusammenhang von Armut, Gentrifizierung und Migration
13 Uhr Mittagessen
14-16 Uhr Stadt und Kapitalismus: Zur Ökonomie des Boden
14-18 Uhr Verdränung und Widerstand – Gentrification und Gegenbewegungen
18 Uhr Abendessen

[30.08.] Sonntag
9-10 Uhr Frühstück
10-12 Uhr Raum-/ Stadtpolitik als Thema kritischer Einführungswochen
10-12 Uhr Verbrechen Flucht. Zur Migrationsabwehrpolitik der Festung Europa
12-14 Uhr Soziale Lage ausländischer Studierender
14 Uhr Mittagessen
15-18 Uhr Solidarität mit Geflüchteten und Ansätze zur Unterstützung.
17-19 Uhr Einführung in die feministische Bildungswissenschaft
16-19 Uhr Poetry Slam Workshop Svenja Gräfen
19 Uhr Abendessen
20 Uhr Lesung Svenja Gräfen

[31.08.] Montag
9-10 Uhr Frühstück
10-12 Uhr Bildung aus herrschaftskritischer Perspektive
10-12 Uhr Presse und Öffentlichkeitsarbeit
12-14 Uhr Wie organisiere ich stifte ich Protest an der Hochschule an?
12-14 Uhr Politik und Spaß dabei Wie umgehen mit Leistungsideologie, Selbstausbeutung, sozialer Mutterschaft und Legitmationssdruck?
14 Uhr Mittagessen

Organisatorisches

Schlafmöglichkeiten
Wir planen auf einem Zeltplatz zu nächtigen. Bringt daher Zelte, Isomatten und Schlafsäcke mit. Bei Regen können wir gemeinsam in Schlafsälen unterkommen.
Meldet es bitte früh an, wenn ihr aus gesundheitlichen Gründen ein Bett oder eine Matratze benötigt.

Kinderbetreuung
Wir werden eine Kinderbetreuung einrichten. Allerdins ist es sehr wichtig, dass der Bedarf einer solchen Betreuung spätestens 10 Tage vor dem Camp angemeldet wird.

Teilnahmebeiträge
Die Teilnahmekosten belaufen sich für Übernachtung mit Vollverpflegung auf 75 € für Student*innen aus Hochschulen, deren Student*innenvertretung fzs-Mitglied ist. Studierende aus den übrigen Hochschulen zahlen 110 €. Bitte meldet euch über das unten angehängte Formular an. Der Gebühr wird für Personen erlassen, die in Strukturen mit geringen Finanzmitteln aktiv sind. Wir bitte darum, dass die Notwendigkeit eines solchen Erlasses bereits im Rahmen der Anmeldung vermerkt wird.

Noch Fragen?
Das Summer Camp „Proben für den großen Krach – Gegen Sexismus. Gegen Rassismus. Für freie Bildung.“ wird vom freien zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) organisiert. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr euch gerne an uns wenden:
http://www.fzs.de/ueber_uns/geschaeftsstelle/index.html

Hintergrund

Gegen Sexismus. Gegen Rassismus. Für freie Bildung.

Verwertungszwänge ergeben sich nicht bloß aus den grundlegenden Strukturen dieser Gesellschaft. Sie bestimmen in zunehmendem Maße auch unser Leben. Das Bildungs- und Wissenschaftswesen, Sorgearbeit, Geschlechterverhältnisse, soziale Teilhabe am urbanen Raum. In all diesen Bereichen beobachten wir eine Verschärfung sozialer Ungleichheiten und eine Individualisierung gesellschaftlichen Versagens. Daher wollen wir wieder Grundsatzfragen stellen und gezielte politische Eingriffe vorbereiten. Dazu gilt es sich die eigene Postition bewusst zu machen. Wie können wir als Menschen, die ihre Zeit vorwiegend im (Aus)Bildungswesen verbringen oder bis vor Kurzem verbracht haben, Herrschafts- und Ausgrenzungsverhältnissen wirkungsvoll entgegentreten? Können Bildung und Wissenschaft ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden, wenn sie kommerziellen Imperativen gehorchen müssen? Vermitteln nicht auch staatliche Institutionen diese Zwänge? Inwiefern lassen sich dennoch Freiräume für kritische Bildung und Wissenschaft als Vorbereitung auf eine andere Gesellschaft schon im Bestehenden erkämpfen? Wie können die Student*innen die Strukturen an der Hochschule nutzen um emanzipatorische Kämpfe anzustoßen oder zu unterstützen? Inwiefern hängen die Misstände im Bildungswesen mit gesamtgesellschaftlichen Strukturen zusammen? Wie kann dieser Zusammenhang benannt werden? Und inwiefern bleibt die Hochschule ein elitärer Raum, in dem vor allem Privilegien ausgehandelt werden? Welche Grenzen sind hochschulpolitischher Veränderung in der bestehenden sozialen Ordnung gesetzt?

Bildung und Wissenschaft
Studium steht nicht allein im Raum und studieren ist keine 24/7 Beschäftigung. Sich das Studium in der Gesellschaft individuell zu leisten hingegen ist eine Entscheidung, vor der viele immer wieder stehen. Das Leben ist voller Herausforderungen, die jeden Tag bewältigt werden müssen. Zunehmend wird uns erzählt, dass es in unserer eigenen Verantwortung liegt erfolgreich zu sein und das wir individuell versagen, wenn wir unsere Aufgaben nciht alle unter einen Hut bekommen. Die Verantwortung an das Individuum zu schieben verschleiert jedoch nur, dass das Scheitern strukturell in unserer Gesellschaft angelegt ist. Im Kapitalismus muss es Verliehrer geben und im Patriachat sind dies die Frauen.

Sorgearbeit
Sorgearbeit, Reproduktionsarbeit oder Carearbeit ist die Arbeit für Andere. Diese Arbeit ist weigehend unsichtbar und wird größtenteils von Frauen erledigt. Bezahlte Carearbeit ist ebenfalls meist Frauenarbeit und bei Erzieherinnen und Krankenpflegerinnen mangelt es nicht nur an gesellschaftlicher Anerkennung ihrer Arbeit, sondern auch an guter Bezahlung. Hausarbeit wird von denen, die es sich leisten können, nicht selber erledigt. Hausarbeit wird meistens an Frauen und häufig an Migrant*innen vergeben. Im Carebereich wird offen über einen geziehlten Zuzug von Osteuropäerinnen diskutiert. Care soll nicht aufgewertet werden, sondern möglichst günstig und unsichtbar bleiben.
Studierende sind nicht nur betrofffen von dieser Praxis sondern müssen sich auch in Wissenschaft und Praxis mit einer Aufwertung auseinandersetzen.

Stadt und „öffentlicher“ Raum
Die Stadt als Lebensraum ist hart umkämpft. Es handelt sich um einen Raum auf den spekuliert wird und an den wirtschaftliche Renditeerwartungen gestellt werden. Denn auch dieser Raum ist in die bürgerliche Eigentumsordnung eingebunden und Profitinteressen unterworfen. Mieten steigen, potentielle Wohnfläche bleibt aufgrund zukünftiger Gewinnerwartung ungenutzt, Mobilität bleibt vielen verwehrt, die Gestaltung gemeinsamer Lebensräume wird nicht demokratisch geregelt. Wer nicht über das nötige ökonmische und kulturelle Kapital verfügt wird schnell verdrängt.Studierende sind eine der Gruppen die betroffen ist, jedoch meist nachdem z.B. Migrant*innen bereits verdrängt wurden. Der Zuzug von Studierenden ist sogar häufig der erste Schritt um ein Viertel „aufzuwerten“.

♫ Gemeinsame Praxis: Die Verhältnisse zum Tanzen bringen! ♫
Ausgehend von vielfältigen inhaltlichen Impulsen wollen wir gemeinsame politische Strategien entwicke. Gemeinsam mit Betroffenen wollen wir nicht nur die Hochschule, sondern die Gesellschaft verändern. Zwar organisieren wir uns zunächst dort, wo für uns strukturelle Gewalt erfahrbar wird und wo wir wohl die größte Handlungsmacht entfalten können. Doch der Wille Herrschaft zu überwinden bleibt, das Ausgangspunkt unserer Handlungen. Daher gilt es soziale Kämpfe zusammenzuführen und die eigenen Strukturen für Bündnisse mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu nutzen. Dabei sind nicht bloß die großen studentischen Aktivist*innenkreise und ihre Apparate als relevante Größen in der politischen Auseinandersetzung. Der Ort an dem wir uns organisieren bietet schon an sich einige Vorzüge. Bildungseinrichtungen müssen als Öffentlichkeiten verstanden werden. So wollen wir sie nutzen. Für Themen die dort aus strukturellen Gründen keine Rolle spielen.
Der große Krach kommt! Dann die Musik!

Ort

August-Bebel-Straße 4
99880 Waltershausen

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Wo befindet sich die KoWa?
Die Kommune liegt in Waltershausen am Rande des Thüringer Waldes zwischen Eisenach und Erfurt mit Autobahnanbindung zur A4. Von der Autobahn A4 führt die Abfahrt 41a nach Waltershausen.
Der Gebäude-Komplex – eine ehemalige Puppenfabrik – wurde 1907 gebaut und stand seit 1996 leer. Es hat eine denkmalgeschützte Ziegelfassade, war innen entkernt und hat eine Nutzfläche von ca. 2800 m².
Die Häuser stehen auf einem 1,7 ha großen Gelände und liegen in der Nähe des Stadtkerns an einer kleinen, wenig befahrenen Querstraße. Bahnhof und Straßenbahn-Anbindung sind vor der Haustür. Auf dem Grundstück ist eine Mischnutzung möglich und somit auch eine Verbindung von Arbeiten und Wohnen.

Im Ort gibt es einen Regionalbahnhof, quasi direkt vor der Tür der KoWa.

KoWa e.V.
August-Bebel-Straße 4
99880 Waltershausen

Wenn ihr den Weg nicht findet ruft uns einfach an: 0178/-2324494

  • Haus front

    Haus seitlich

    Wagen

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